Haus-Gottesdienst zum 2. August 2020 (Von Pfr. Thomas Soffner, Sondelfingen)

Kerze anzünden – Innehalten

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wochenspruch: Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Eph 5,8b.9) 

Psalmgebet aus Jona 2

Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst,

und er antwortete mir. 

Ich schrie aus dem Rachen des Todes, 

und du hörtest meine Stimme.

Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, 

dass die Fluten mich umgaben. 

Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich,

dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen,

ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen.

Wasser umgaben mich bis an die Kehle, 

die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.

Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, 

der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. 

Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt,HERR, mein Gott!

Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, 

und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.

Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade. 

Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. 

Meine Gelübde will ich erfüllen. 

Hilfe ist bei dem HERRN.

Gebet

Lass uns heute Morgen hören Herr, von deiner Gnade und Rettung, von deiner Gerechtigkeit – lass uns glauben, dass wir Mut schöpfen und Hoffnung, dass wir uns von dir in Bewegung setzten lassen. Amen.  

Lied: Du hast uns, Herr gerufen (EG 168,1-3)

Predigtüber das Buch Jona: 

Schriftlesung Jona 1,1 -2,1 

Jona 1:1 Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: 2 Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. 3 Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN. 4 Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. 5 Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. 6 Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben. 7 Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf's Jona. 8 Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du? 9 Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat. 10 Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. 11 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging immer ungestümer. 12 Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist. 13 Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an. 14 Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir's gefällt. 15 Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. 16 Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde. 2 1Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen.

 Die Geschichte geht weiter: Drei Tage überlebt Jona im Bauch des Fisches. Er weiß sich gerettet und betet den Psalm, den auch wir am Anfang des Gottesdienstes gebetet haben. Dann spuckt ihn der Fisch am Strand wieder aus. 

Jona geht nach Ninive und predigt, wie Gott es ihm aufgetragen hat. Erstaunlicherweise hat seine Predigt Erfolg: Ganz Ninive erschrickt, sie rufen ein großes Trauern und Fasten aus und beschließen, sich – wenn sie überleben – zu ändern, sie hoffen: Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben. Und Gott tut leid, was er beschlossen hat. Ninive geht nicht unter. 

Jona ist empört. Mit aller Gewalt hat Gott hin nach Ninive befördert, um den Untergang anzusagen. Und Ninive wäre wirklich reif zum Untergang gewesen (Israel hatte großes Leid von Ninive erlebt) – und nun passiert einfach nichts. Wütend beschwert sich Jona bei Gott – verlässt die Stadt, baut sich eine notdürftige Hütte gegen die Sonne und wartet ab. 

Gott lässt über Nacht eine große Staude wachsen, die Jona in seiner Hütte Schatten und Kühlung spendet. Und in der nächsten Nacht, lässt Gott die Staude wieder verdorren. 

„Da wünschte er sich den Tod und sprach: Ich möchte lieber tot sein als leben. 9 Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Rizinus willen? Und er sprach: Mit Recht zürne ich bis an den Tod. 10 Und der HERR sprach: Dir tut es um den Rizinus leid, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, 11 und mir sollte es nicht um Ninive leidtun, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?“

Eine bunte, bildhafte Geschichte, manchmal im Märchenton. So erzählt sie von Gott und einem Propheten, heidnische Matrosen und der großen, böse Stadt Ninive. Eine Geschichte, die Spaß macht und dabei durchaus ernstgemeint ist, Wichtiges zu sagen hat.  

Weil Gott Schöpfer der ganzen Welt ist, überlässt er nichts und niemanden sich selbst. Auch die Bösen überlässt er nicht ihrem Schicksal, er will sie nicht loswerden, er will sie vom Bösen wegbringen. Er spricht sie an. Von der Seite der Menschen aus gesehen: Böses Tun ist keine ausweglose Einbahnstraße und Sackgasse – man kann umkehren, sich ändern, auf Gottes Vergebung hoffen und vertrauen. Es kann gut weitergehen. 

Und es ist eine Geschichte vom Glauben, von dem was wir da an Ungereimtheiten und Widersprüchen hineinbringen können. Jona weiß ja eigentlich Bescheid über Gott: Er ist der Schöpfer von Himmel und Erde; und er ist: gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte. Aber als Gott etwas will, kann er nicht vertrauen, dass Gott ihn bei diesem Auftrag auch tragen und bildet sich ein, dass einen eine kleine Reise in die richtige Richtung aus Gottes Einflussbereich bringen kann. Und als er an Bord des Schiffes in Gefahr ist, hat er alles über gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte vergessen. Er weiß, dass von keinem der Götter, zu denen die anderen beten, etwas zu erwarten ist. Und er denkt gar nicht daran, zu seinem Gott zu beten, als würde der sowieso nicht hören, als habe der Jonas Untergang schon beschlossen. 

Jona wird gerettet, er erfährt die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, er lobt sie erleichtert, dankbar (und wohlformuliert). Aber als er sieht, wie Gott auch Ninive so begegnet, erträgt er das nicht. Hier, zu den anderen, muss Gott doch anders sein.  Und Gott gibt sich alle Mühe, Jona für das zu gewinnen, was er tut, Gott sucht Jonas Verständnis! Die Heiden auf dem Schiff mit ihren ganzen falschen Göttern, Ninive in seiner ganzen Bosheit, die lassen sich von Gott eigentlich leichter ansprechen als der Prophet. Dass Ninive sich geändert hat und gerettet ist, ist am Ende der Geschichte klar, ob Jona sich Gottes Sichtweise doch noch zu eigen machen wird, bleibt offen. 

Sich zu Gott bekennen, an ihn glauben, hindert einen nicht daran, immer wieder zu vergessen, was man eigentlich weiß, in ganz unangemessenen Übermut und in ganz unangebrachte Verzweiflung zu fallen; es hindert einen nicht daran, Gottes Güte für sich selber nicht zu glauben und sie anderen nicht zu gönnen. Und Gott bleibt dabei, hält an uns fest, „gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte“.

Lied: Nun lob mein Seel den Herren (EG 289,1.2.4)

Gebet

Herr halte uns fest, 

wenn wir glauben und wenn wir zweifeln,

 enn wir uns an deiner Gnade freuen und

wenn wir sie anderen nicht gönnen, 

wenn wir barmherzig sind und wenn wir kaltherzig werden, 

wenn wir dir folgen wollen und wenn wir uns verkriechen. 

Lass uns den Weg immer wieder finden 

vom Unglauben zum Glauben, 

von Gleichgültigkeit zur Liebe, 

von der Angst zum Mut immer wieder finden 

- uns, und alle, die an dich glauben. 

Rette uns, wenn wir in Gefahr und Angst sind – uns, und alle Menschen in Not. 

Ruf uns zur Umkehr, wenn wir Böses tun – uns und alle, die es nötig haben. 

Vaterunser

Segen 

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.